„Billige“ Weihnachten.

Und wieder ist es der 24. Dezember. Wieder geht ein Weihnachtsgottesdienst los. Und ich sitze da und fast weiß ich schon jetzt wie es ablaufen wird: Ein Gruß des Moderators, eine flache Einleitung, vielleicht noch ein „christlicher Spaß“ eingebaut. Dann ein paar Weihnachtslieder deren Inhalt schon lange kaum jemanden mehr in der Gemeinde interessiert. Dann wird vermutlich ein Anspiel zum Thema Weihnachten sein. Und dieselben Kinder die das Anspiel machen – wenn man sie fragt was an Weihnachten so wichtig ist werden sie keine Antwort finden die aus der Schrift kommt. Die Eltern werden eifrig sein mit dem Smartphone diese gehofft-geistlichen Erinnerungen auf zu zeichnen. Dann wird es zumindest eine Kurzpredigt geben, die aber weder einen Schrift-Text auslegt, noch die Bedeutung von Jesu Geburt wirklich erklärt. Weder den erwachsenen Geschwistern, noch den Kindern, noch vielleicht den Gästen. Dann – nach dem Gottesdienst – noch ca. 5 bis 90 Sekunden Gesprächszeit für diejenigen Glaubensgeschwister die nicht ohnehin schon das Weite gesucht haben und gleich nach dem Gottesdienst nach Hause gesprintet sind.

Schon einmal so etwas erlebt? Gesegnet ist derjenige Leser dieses Beitrages der diese Frage mit ´Nein´ beantworten kann.

Die Menschwerdung Gottes ist der Weihnachts-Schlüssel.

Steht die Menschwerdung von Jesus Christus im Weihnachtsgottesdienst im Mittelpunkt? Und wird in der Predigt verkündigt welche Konsequenzen diese Menschwerdung hat? Schade, dass es grade an einem 24. Dezember scheinbar kaum jemandem zugemutet werden darf mit Tiefe zu predigen oder solches an zu hören…

Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1, 14 (ELB)

Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe, zwar getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist.

1. Petrus 3, 18 (ELB)
Ohne Menschwerdung, keine Hingabe des Sohnes Gottes im Kreuzestod für Seine Kinder.

Wird damit ehrlich umgegangen, dass das Weihnachts-Wohlgefallen Gottes vielleicht doch nicht(!) ganz so pauschal allen Menschen gilt – wie es grade an einem 24. Dezember gern evangelistisch verkauft wird (vgl. Lukas 2, 14)? Wo sind die Verkündiger, die Weihnachten nicht(!) zu einem „Verkaufsschlager“ zu machen versuchen, sondern einfach nur die Schrift verkündigen? Und wo sind die Kinder Gottes die sich auf die Hinterbeine stellen und geistliche Kante zeigen, wenn ein Gottesdienst letztlich nur zum Erfüllungsgehilfen der Sehnsucht nach einer heilen Weihnachtswelt wird? Gilt denn z.B. 2. Tim 4, 2 für einen Weihnachtsgottesdienst nicht?

Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! 2. Timotheus 4, 2 (ELB)

2. Timotheus 4, 2 (ELB)
Ist emotionale Bequemlichkeit ein gutes Maß für einen Weihnachtsgottesdienst?

Woher nehmen wir das Recht einen Heilig Abend Gottesdienst zu unserem geistlichen „Couch-vor-dem-Fernseher“-Gottesdienst zu machen? Und warum macht es uns dazu auch noch wenig aus, dass es vielleicht oft tatsächlich so einher geht? Das muss doch eigentlich alarmieren, oder nicht? Mehr Tiefe muss an einem 24. Dezember einfach drin sein!

Deshalb wollen wir das Wort vom Anfang des Christus lassen und uns der vollen Reife zuwenden und nicht wieder einen Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott,

Hebräer 6, 1 (ELB)

Und dass es dabei oft ein Kind-tauglicher Gottesdienst sein soll ist dabei keine gute Ausrede, denn Tiefe und Verständnis stehen in keinem grundsätzlichen Widerspruch dazu, dass sie auch an Kinder herangetragen werden können…

Es liegt an Gott zu offenbaren was zu verstehen ist. Auch gegenüber Kindern.

Ich habe euch geschrieben, Kinder, weil ihr den Vater erkannt habt. Ich habe euch, Väter, geschrieben, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich habe euch, ihr jungen Männer, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt.

1. Johannes 2, 14 (ELB)

…und so sitze ich da und denke ein bischen im Kalender voraus: Wird es am letzten Gottesdienst des Jahres eine typische Silvester-Predigt geben… oder einfach einen Gottesdienst, der sich eben nicht vom „Frohsinn des Jahreswechsels“ geradezu anstecken lässt…?

Welches Zeugnis wird Christus uns geben wenn Er kommt?

Ich sage euch, daß er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird. Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?

Lukas 18, 8 (ELB)

Herr Jesus Christus, schenke uns ein Herz, dass sich nach Deiner Tiefe sehnt, und dass sich meldet wenn es leer ausgeht und hungrig bleibt. Hilf uns, dass wir nicht abstumpfen, hilf uns, dass wir mündig werden. Erbarme Dich unserer Schwachheit! Sei gnädig mit den Verkündigern, sei gnädig mit den Hörern. Und Herr Jesus: schenke die Veränderung die es braucht, um uns Deine Gemeinde dorthin zu bringen und zu heiligen wo Du sie haben möchtest, wo sie sein muss. αμην.