Jesus und die Sünderin… und Simon!

Oft hindert uns eine gewisse geistliche Blockade daran die Lehren der Schrift im rechten Licht zu verstehen. Ein wirklich gesundes Herangehen fragt: „Herr, was bedeutet dieses Wort hier in Deinem Sinne?“ Versucht man ohne diesen Bezug auf Gott Selbst die Schrift zu verstehen, bleiben nur rein menschliche Ziele der Auslegung, rein menschliche Bezugspunkte für eine Auslegung übrig. Hier an einem weiteren Beispiel aus der Schrift aufgezeigt:

Lukas 7, 36-50 schildert die bekannte Zusammenkunft von Jesus Christus mit dem Pharisäer Simon. Während des gemeinsamen Essens entsteht ein gewisser Aufruhr unter den Gleichgesinnten Simons: Jesus lässt sich von einer stadtbekannten Sünderin berühren – und das brachte Zweifel an Jesus zum Vorschein!

Als aber der Pharisäer [Simon], der ihn eingeladen hatte, das sah, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.

Lukas 7, 39 (ELB)

´Wenn Jesus wirklich ein Mann Gottes wäre, dann 1) würde Er doch wissen, dass die Frau Sünderin ist – Gott hätte es Ihm als Prophet ja offenbart (vgl. Amos 3, 7), und 2) würde Er es nicht zulassen, dass sie sich Ihm so naht!´ Und Jesus weiß um diese Gedanken, und erzählt die Geschichte von den 2 Schuldnern, dem Einen wird viel erlassen, dem Anderen weniger. Aus dieser Geschichte heraus belehrt Jesus nun den Pharisäer Simon und zeigt ihm „wie viel“ die Sünderin geliebt hat weil ihr viel erlassen bzw. vergeben wurde.

Das gibt Simon eine sehr persönliche Denkaufgabe mit – denn anders als die Frau hat er (Simon) nach den Worten Jesu wenig an Jesus getan was Liebe aufzeigt.

Und sich zu der Frau wendend, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuß gegeben; sie aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat mit Salböl meine Füße gesalbt.

Lukas 7, 44-46 (ELB)

Und noch dazu sagt Jesus der Sünderin wörtlich die Vergebung Ihrer Sündenschuld zu (Lk 7, 48) – auf Basis ihres Glaubens (Lk 7, 50).

Schnellschüsse in der Auslegung:

In diesem Text steckt große Herrlichkeit und Lehre – aus ganz verschiedenen Gründen. Aber im Kern wird die Passage gern zunächst einmal so verstanden, dass wenn man ganz allgemein wenig Liebe gegen Menschen zeigt, man selbst einfach noch wenig Vergebung erfahren hat – vielleicht ein wenig – aber eben nicht viel. Wenn Jesus Schuld vergibt, dann wird man als Mensch fähig zu lieben. Und zwar ganz sogar recht allgemein! Dank sei dem Herrn, dass wir nun ein liebeserfülltes Leben haben können! …oder etwa nicht?

Um es etwas auf die Spitze zu treiben könnte man aus dem Text fast schließen, dass Simon einfach tatsächlich weniger Sünde und Schuld hatte, und er deshalb einfach weniger liebevoll mit Jesus umging – der Sünderin musste vielleicht einfach ein großer Packen mehr vergeben werden – kein Wunder, dass sie sich mit solch extremen Liebesbeweisen Jesus nahte. …aber macht das wirklich Sinn? Im Licht dessen was wir aus der Schrift über die gewaltige Sündenschuld aller(!) Menschen wissen? (Rö 3, 23)

Noch etwas problematischer nun die Schlussfolgerung aus diesem Textverständnis: Wenn ich nun mit einem Menschen wenig liebevoll oder liebend umgehe – dann heißt das ich muss mich kräftig anstrengen zu lieben, damit ich mir auch sicher sein kann, dass ich auch wirklich Christ bin. Und damit wäre dann die vielgeliebte „Anwendung“ der Textpassage endlich gefunden(!): Liebe – zeige Liebe – und Du bekommst Vergebung – quasi als Verdienst! Hm. Nun, spätestens jetzt muss klar sein, dass man hier irgendwo falsch abgebogen ist, denn Vergebung selbst verdienen geht eben einfach nicht. Darin sind sich dann doch alle Bibel-bemühten Christen recht einig (Eph 2, 8-9; Rö 4,2; u.v.a.).

Und man muss verstehen, dass trotz der scheinbar doch so wörtlich klaren Geschichte mit den beiden Schuldnern – von denen einer scheinbar wirklich einen „weniger Vergebungs-bedürftigen“ Menschen darstellte – dass das wirklich nicht die Botschaft des Textes und der Worte Jesu ist(!).

Auf Gott schauendes Lesen der Schrift löst das Rätsel:

Um den Text gut zu verstehen muss die Frage geklärt werden: Um welche Liebe geht es wirklich? Um die Liebe allgemein zu Menschen? Um ein allgemeines liebendes Wesen eines guten Gläubigen? Ist es das was hier angemahnt wird?

Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird [besser übersetzt: ´wem wenig vergeben ist´], der liebt wenig.

Lukas 7, 47 (ELB)

Wen(!) genau hat die Sünderin denn geliebt? Und warum? Und auf welche Art und Weise? Sie hat Jesus Christus geliebt – sie hat an Ihn geglaubt – zur Vergebung Ihrer Sünden! Nicht nur, dass es sich in ihrem Handeln äusserlich und auch symbolisch gezeigt hat, sondern Jesus bestätigt sogar wörtlich, dass es Ihr Glaube an Ihn war der sie gerettet hat. Sie hat geliebt weil sie wußte was Jesus Ihr geschenkt hat oder schenken würde! Es ist die Liebe zu Jesus die durch den Glauben kommt worum es hier im ganzen Text geht. Nicht nur bei der Frau, sondern auch bei Simon und auch bei all seinen Gleichgesinnten geht es darum wer von Ihnen Jesus liebt bzw. an Ihn glaubt und wer nicht.

Wie viel war Simon vergeben?https://www.lumoproject.com/ – Thank You.

Das bedeutet auch, dass wenn Jesus sagt „wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig“ – da geht es also nicht wirklich darum, dass Simon einfach weniger Sünden vergeben werden mussten und er deshalb unverständig mit der Sünderin war. Es ging nicht darum zu sagen, dass Simon bisher nur eine Teil-Vergebung hatte und quasi „noch auf dem Weg war“. Nein, Simon hatte keinen(!) Glauben an Jesus (der Unglauben drückt der Text ja deutlichst aus: ´Wenn dieser ein Prophet wäre…“) – Simon hat noch gar keine Vergebung! Die Lehre an Simon – und uns alle ist also nicht: Liebe viel und Dir wird viel vergeben werden! Das ist mit großer Sicherheit nicht was der Text bedeutet. Sondern: Liebe und Glaube an Mich – den Sohn Gottes – dann erfährst Du Vergebung. Hier wird das Evangelium gelehrt(!). Hier wird keine Christenpflicht zur allgemeinen Liebe gegen einfach alle Menschen gelehrt. Selbst wenn das an anderer Stelle in der Schrift Teil des Zeugnisses der Gemeinde ist – Lukas 7, 36-50 hat nicht diese Lehrabsicht.

Wen und Warum hat die Sünderin so viel geliebt?
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Von David. Ein Maskil. Glücklich der, dem Übertretung vergeben, dem Sünde zugedeckt ist! Glücklich der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist! Als ich schwieg, zerfielen meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommergluten. So tat ich dir kund meine Sünde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Schuld meiner Sünde.

Psalm 32, 1-5 (ELB)

Das Fazit?

Wieder einmal steht tatsächlich Jesus Christus und Sein Werk – das Evangelium im Zentrum – und nicht der „Ich-Bezug“ den unsere Herzen so gerne erst einmal aus der Schrift ziehen wollen. Scheinbar bedarf es dieser stetigen Einschärfung des Evangeliums – bedarf es dieses ständigen Beleuchtens des Evangeliums und des Ermahnen zum Glauben. Ja sogar – ganz sicher bedarf es das. Für uns alle.

Wem gilt die Lehre Jesu? Nur den vielgeschmähten Pharisäern? Oder gilt dieses Wort in Wahrheit uns allen?
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